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Macher und Märkte
* ein Podcast der IHK Potsdam

„Man schafft es nur durch Innovation“

Ralf Buxnowitz entwickelt mit seiner Firma Mikado seit knapp 30 Jahren Modellhelikopter. Von Potsdam aus beliefert er einen kleinen, aber weltweiten Markt.

Nichts Auffälliges deutet an der ziegelroten Werkshalle an der Graf-von-Schwerin-Straße darauf hin, dass sich hier alles um ausgetüftelte Fluggeräte dreht. Nur das Klingelschild mit der Aufschrift „Mikado Model Helicopters GmbH“ verrät: Hier sitzt der Potsdamer Hersteller von funkferngesteuerten Modellhelikoptern, die von hier aus in die ganze Welt verschickt werden.

Der große Heli „Logo 700“ wiegt fünf Kilogramm und misst 1,6 Meter Rotordurchmesser. Mit ihm treten seit 2016 professionelle Piloten bei Wettbewerben an.

Mikado-Gründer Ralf Buxnowitz hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Schon als Zwölfjähriger flog er Modellhelikopter. Später machte er sich selbstständig und verkaufte Ersatzteile in kleinen Stückzahlen. „Das ging nur, weil ein befreundeter Werkzeugbauer aus Magdeburg die Teile herstellte. Bis heute erhalten wir alle Kunststoffteile von ihm“, erzählt Buxnowitz. 1990 gründete er die Mikado Model Helicopters GmbH in Berlin, 2000 folgte der Umzug in ein ehemaliges Militärgebäude auf dem Gelände der Roten Kaserne in Potsdam.

Mit der Weiterentwicklung der Firma veränderten sich die Ansprüche an Platz und Logistik. So nutzte der gebürtige Berliner die Gelegenheit und baute eine modere, 12.000 Quadratmeter große Halle. Zehn Regale reichen darin bis fast unter die Decke – gefüllt mit Pappkartons und etwa 800 verschiedenen Metall- und Kunststoffeilen. Im hinteren Bereich der Halle befinden sich Büros und freistehende Arbeitsplätze. Hier tüfteln zwei Entwickler an neuen Prototypen und Elektro-Antrieben. Sieben weitere Mitarbeitende wickeln die Bestellungen ab und bestücken an großen Tischen die Baukästen.

Die Prototypen und alle Modelle werden im Firmensitz in Potsdam entwickelt.

Einen Baukasten für einen vollständigen Mikado-Heli gibt es ab 500 Euro. Kommen Akku, Ladegerät und Fernbedienung dazu, muss man mit mindestens 1.000 bis 2.000 Euro rechnen. Ein Hubschrauber besteht aus etwa 300 bis 400 Einzelteilen – Deshalb sollten auch geübte Pilotinnen und Piloten für den Zusammenbau zwei Abende einplanen. Buxnowitz schwärmt nach wie vor für das spezielle Hobby: „Heli fliegen bedeutet eben nicht auspacken und sofort losfliegen. Es ist kompliziert: Man sieht etwas, muss es mit dem Kopf verarbeiten und mit den Händen steuern. Mit einem Smarthone spielen ist etwas völlig anderes.“

Ralf Buxnowitz ist stolz auf die Geschichte seiner Firma. Alle vier Hubschrauberserien hat er selbst mitentwickelt und designt. Die Modelle sind in verschiedenen Größen zu haben. Das kleinste ist der „Logo 480“. Seine Rotorenblätter sind 40 Zentimeter lang. Die vom „Logo 700“ messen sogar 70 Zentimeter Länge.

Der kleine „Logo 480“ fliegt mit einem Lithium-Polymer-Akku und ist ein ideales Einsteigermodell.

Modellhubschrauber sind mittlerweile gut zu Ende entwickelt, sie haben einen gewissen Standard erreicht. Trotzdem lässt sich Buxnowitz immer wieder etwas Neues einfallen: „Es geht vor allem um die Weiterentwicklung der Elektronik. Wenn man über die Jahre erfolgreich arbeiten will, schafft man es nur durch Innovation“. Dem Heli-Experten ist das gelungen: „1994 bauten wir als Vorreiter den ersten Elektrohubschrauber. 2000 kamen als nächstes großes Ding die leistungsstarken Lithium-Polymer-Akkus. Die Flugzeuge wurden kleiner, leichter, ihre Flugleistung vervierfachte sich. Millionenfach wurden sie weltweit Spielzeugläden verkauft. Da wir aber kein Spielzeug herstellen und uns schon früh mit der Technologie auskannten, konnten wir unsere Position im Markt halten.“

Und dem Gründer gelang noch ein weiterer Clou, den er sich durch ein Patent schützen lies: Der virtuelle Flugstabilisierungsregler „VStabi“. Der kleine Kasten bildet das Herzstück des Helis, der die Signale der Fernsteuerung, auch VBar Control Fernsteuersystem genannt, empfängt. Mit der Technologie lässt sich der Heli viel sicherer fliegen.

Kleiner Computer: Die Fernsteuerung dient nicht nur zum Steuern. Dank integriertem Sender lassen sich Modell, Wege und Parameter einstellen sowie Temperatur, Fluggeschwindigkeit und Flughöhe ablesen.

Und wie sie es mit der Konkurrenz aus? Neben Mikado gibt es nur zwei Hersteller von Modellhubschraubern mit Elektroantrieb in China, einen in Vietnam und einen in Taiwan. Der Markt ist eine Nische, aber die Potsdamer Helis sind fast überall auf der Welt erhältlich: „Die Einfuhr- und Steuergesetze machen es in einigen Ländern sehr kompliziert. Deshalb haben wir zwei Vertriebsbüros mit eigenem Lager und Webshop in Hongkong und den USA aufgebaut“, erklärt der 53-Jährige.

Welches Fluggerät die Menschen als nächstes überraschen wird, darauf hat Buxnowitz auch eine Antwort: „Das nächste große Ding werden autonom fliegende Hubschrauber. Sie kann praktisch jeder fliegen. Ein Familienspaß. Sie ermöglichen auch viele kommerzielle Anwendungen, denn sie halten sich locker 50 Kilometer in der Luft.“ Wir können also gespannt sein, wann die ersten autonom fliegenden Mikado-Helis durch den kontrollierten Luftraum fliegen.

Eigentlich fliegt Ralf Buxnowitz kaum noch selbst Modellhelikopter – Für unseren Fotografen machte er aber eine Ausnahme.