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Macher und Märkte
* ein Podcast der IHK Potsdam

Ich leg dann mal ab

Ferien im Fluss: Die Aquare Charter GmbH aus Brandenburg an der Havel baut und vermietet Bungalows auf dem Wasser.

Ein Montagmorgen im Juni. Die Sonne bricht durch die Wolken, die Havel glitzert. An einem breiten Steg liegen vereinzelt bunte Hausboote, auf einem davon frühstückt eine Familie. Dieses Idyll sieht David Setzermann, wenn er aus den großen Fenstern seines Büros blickt. Der 36-Jährige ist – zusammen mit dem Firmengründer Günter Großmann – Geschäftsführer der Aquare Charter GmbH. Die Boote am Steg hier in Plaue machen nur einen Bruchteil der 150 schwimmenden Ferienhäuser aus, die das Unternehmen an fünf Standorten vermietet. Bungalow-Boote, kurz BunBos, heißen die Urlaubsschiffe, die mittlerweile Menschen aus der ganzen Republik nach Südbrandenburg locken.

Komfort für Naturliebhaber

Holzwände, eine gut ausgestattete Wohnküche, helle Schlafzimmer, ein kleines Bad und eine große Terrasse: Betritt man ein BunBo, könnte man tatsächlich vergessen, dass man sich auf einem Boot befindet – wäre da nicht die grandiose Rundumsicht aufs Wasser. Als eine Art schwimmendes Fünf-Sterne-Hotel will David Setzermann sein Angebot aber nicht verstanden wissen: „BunBos sind das richtige für alle, die es mögen, in der Natur zu sein. Menschen, die Camping schlimm finden, sollten es sich genau überlegen.“ Denn schließlich müssten die Gäste zum Beispiel mit einem auf 400 Liter begrenzten Frischwasservorrat auskommen – der im Normalfall jedoch eine Woche ausreicht – und den Füllstand des Fäkalientanks beobachten.

Einen Bootsführerschein brauchen die Freizeitkapitäne dagegen nicht. Aber: Jeder Bootsführer muss vor Urlaubsantritt einen sogenannten Charterschein machen. „Schon vier Wochen vor der Reise schicken wir unseren Gästen Informationsmaterialien zu, mit denen sie sich auf ihren Törn vorbereiten können“, so Setzermann. Vor Ort bekommen die BunBo-Bewohner dann eine dreistündige Einweisung, bestehend aus Theorie und Praxis. Abgeschlossen wird das Ganze durch einen Multiple-Choice-Test. Wer hier durchfällt, muss natürlich nicht wieder nach Hause fahren. „Wir nehmen uns dann noch einmal Zeit, alles genau durchzugehen und offene Fragen zu klären – bis jeder Gast sich sicher fühlt.“

Vorfreude digital

Die Vorbereitung der Gäste auf ihr Wasser-Abenteuer macht einen großen Teil der Arbeit des BunBo-Teams aus, erzählt Setzermann: „Zunächst funktioniert das Ganze wie eine normale Zimmerbuchung. Der Unterschied ist, dass wir für jedes Zimmer eine wahnsinnig große Informationsdichte bereitstellen. Schließlich gibt es ja schon genug Fragen, wenn man ein normales Ferienhaus an der Ostsee bucht – ist Bettwäsche inklusive, wie funktioniert der Ofen und so weiter. BunBo-Mieter haben noch viele weitere Fragen, die wir alle beantworten möchten.“ Und so können die Gäste sich schon Zuhause auf der BunBo-Webseite Einweisungsvideos ansehen, durch Törn-Vorschläge stöbern oder die Havelreviere mit ihren Anlegestellen, Ankerplätzen und Einkaufsmöglichkeiten per Übersichtskarte entdecken. Auf dem Boot selbst hält ein Tablet alle wichtigen Infos bereit. Und im Fall der Fälle können die Passagiere eine 24-Stunden-Hotline anrufen.

Aus Niederbayern in die Welt

Für David Setzermann ist der Job bei BunBo nicht die erste Berührung mit dem Wassertourismus. Der gebürtige Niederbayer macht nach seiner mittleren Reife zunächst eine Kochlehre und arbeitete in einem Sterne-Restaurant. Dann beginnt seine Karriere auf hoher See: Er heuert auf verschiedenen großen Segelbooten an und begleitet Luxus-Cruise-Reisen in die Karibik, die Nord- und die Ostsee und das Mittelmeer, bereist sogar Antarktis und Arktis. Nach einigen Jahren zieht es Setzermann weg von der Kombüse, hin zum Hotelwesen. 2011 schließt er die Hotellerie-Schule in Lausanne ab und geht zusammen mit seiner Frau, die er ebenfalls auf See kennenlernte, nach Tansania, um dort eine Safari Lodge aufzubauen und zu führen. 2013 ist Günter Großmann sein Gast – und fragt ihn, ob er zusammen mit ihm die BunBo-Idee vorantreiben will.

Seit 2013 ist der zweifache Vater nun Co-Chef der 2008 gegründeten Firma. Seitdem hat sich die BunBo-Flotte verdoppelt und sogar Touristen aus dem Ausland kommen für den Hausboot-Urlaub nach Brandenburg. Die Gäste seien bunt gemischt, besonders beliebt aber seien die BunBos bei Familien. „Wenn die Kinder schwimmen können, gibt es kaum einen entspannteren Urlaub: Man macht einfach die Terrassentür auf und die Kinder können den ganzen Tag im Wasser verbringen“, so Setzermann. Für zusätzlichen Familienspaß sorgen die optional anmietbaren Stand-up-Paddle-Boards, Kajaks und Fahrräder. Das Konzept geht auf, diesen Sommer sind die Hausboote bereits ausgebucht. Setzermann empfiehlt deshalb: „Wer in der Hauptsaison 2019 ein BunBo mieten will, sollte bis Oktober dieses Jahres buchen.“

In der Natur, nicht gegen die Natur

Obwohl es David Setzermann auf dem Wasser gar nicht wuselig genug zugehen kann, ist Nachhaltigkeit für ihn ein Thema. „Alle unsere Boote sind mit Solarpanelen ausgestattet und erzeugen ihren eigenen Strom, die Motoren sind sehr sparsam und wir führen natürlich alle Abwässer zurück an Land.“ Außerdem arbeitet die Aquare Charter GmbH mit Naturschutzbehörden und –verbänden zusammen. „Wir wollen unseren Gästen die einmalige Havelregion näherbringen und ihnen ein Verständnis dafür vermitteln, warum sie sich auf dem Wasser an gewisse Regeln halten müssen. Dazu gehört etwa, dass sie nicht an Seerosenfelder heranfahren dürfen, weil dann die Eier der dort brütenden Vögel ins Wasser fallen.“ Deshalb sind alle Hausboote mit hochwertigen Ferngläsern zur Tierbeobachtung ausgestattet und die via Tablet bereitgestellten Übersichtskarten verzeichnen wichtige Informationen zum Artenschutz, wie etwa Brutstätten.

Das Ziel: eine möglichst lange Saison

Ob es BunBos künftig auch auf anderen deutschen oder ausländischen Gewässern geben wird? Wer weiß. Klar vor Augen hat der BunBo-Geschäftsführer derzeit vor allem das Ziel, seine gut 50 Mitarbeiter in Werft, Verwaltung und Service ganzjährig zu beschäftigen. Eine Bedingung für eine lange Hausbootsaison sei jedoch, dass auch die übrige Infrastruktur sowie das Angebot an Land im Frühjahr und im Herbst noch reizvoll für Touristen ist. Hier sei noch Luft nach oben, meint David Setzermann. Er erzählt von einem Supermarktboot, das seit kurzem gekühlte Getränke und Lebensmittel direkt zu den Schiffen bringt. „Es wäre toll, wenn noch mehr Leute solche kreativen Ideen hätten, um die Region und den Wassertourismus zu beleben.“