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Macher und Märkte
* ein Podcast der IHK Potsdam

Frau Rauh löst Probleme

München, Paris, London, Berlin, Brandenburg an der Havel – ein Weg, der manche einem auf den ersten Blick ein wenig ungewöhnlich vorkommen mag. Aber auf den zweiten Blick ergibt er einen klaren Sinn: Annik Rauh macht es in Brandenburg. Genauer: in Brandenburg an der Havel.

Geboren und aufgewachsen ist die heute 41-jährige Unternehmerin in Bayerns Metropole München. Und da nahm sie auch nach dem Abitur ihr Studium auf. Das Berufsziel: Architektin. Doch schon bald merkte die junge Frau, dass dieser Weg nicht der beste war. „Ich habe schnell gemerkt: Dafür brenne ich nicht“, erinnert sie sich. Und sie wusste auch, wofür sie brannte: Es zog sie in die Gastronomie. Den Eltern zuliebe studierte sie noch bis zum Vordiplom, nebenher baute sie mal eben einen Cateringservice auf. Dann hieß es „adé Uni, hallo Hotel“ und die Karriere nahm an Fahrt auf. Auf eine Lehre zur Hotelkauffrau im renommierten Hilton Munich Park (und teilweise in Paris) folgte eine Station als Sommelière in London. Von dort zog es Annik Rauh in die damals hoch dynamische Hauptstadt Berlin. Sie ging ins dortige Hotel Grand Hyatt, doch schon bald fühlte sie sich bereit für den Schritt in die Selbstständigkeit.

Doch der war gar nicht so einfach: „Ich habe mich mit einer Freundin auf die Suche nach einem geeigneten Ort gemacht. Aber immer, wenn wir einen gefunden und uns das passende Konzept dafür überlegt hatten, fiel uns auf, dass es genau so ein Lokal schon in der Nachbarschaft gab.“ Die Lösung kam eher zufällig. Annik Rauh besuchte aus reiner Neugierde einen Gründerstammtisch an der Humboldt-Uni. Dort bekam sie den entscheidenden Tipp: Für einen Betrieb wurde eine neue Pächterin gesucht. Das Lokal war seit einigen Monaten geschlossen, aber Annik Rauh erkannte sofort das Potential. Toplage, bekannt und beliebt bei den Menschen. Allerdings lag dieser Betrieb nicht in der Hauptstadt. Also machte Annik Rauh es in Brandenburg. Genauer gesagt in Brandenburg an der Havel.

An den Start in der Stadt erinnert sich die Gastronomin bis heute gern zurück: „Ich bin hier wirklich gut und herzlich aufgenommen worden. Gleich beim ersten Termin hat mich die Bankbetreuerin nicht nur in finanziellen Dingen beraten, sondern mir auch gleich eine schöne Mietwohnung vermittelt. Die Beratung und Betreuung durch das Team des RegionalCenter der IHK Potsdam nehme ich bis heute gerne in Anspruch. Und mein erstes Lokal, das „Fonte im Fontane-Klub“, lief von Anfang an gut. Anders als in Berlin hagelte es auch keine Beschwerden von den Nachbarn, wenn es bei den legendären Donnerstagsspartys auch einmal bis zum Sonnenaufgang am Freitagmorgen ging.“ 13 Jahre bewirtschaftete sie das Traditionslokal. Dann suchte und fand sie eine neue Aufgabe in der Wahlheimat. Seit 2016 bewirtschaftet sie die Gastronomie in Brandenburgs Marienbad: Bistro, Sauna-Fitbar und im Sommer dazu noch den Kiosk im Freibadbereich.

Ihre Rolle als Unternehmerin beschreibt die Frau mit dem gewinnenden Lachen und dem analytischen Verstand präzise: „Ich organisiere Abläufe, löse Probleme und begeistere Menschen.“ Jammern ist nicht ihr Ding. Als sie in ihrer Zeit im „Fonte“ wie viele andere Gastronomen keinen Nachfolger für ihren scheidenden Küchenchef fand, hat sie als Externe die Kochprüfung bei der IHK abgelegt, um selbst Köche ausbilden zu dürfen. Für ein möglichst gutes Ergebnis ließ sie sich von externen Coaches fitmachen —und natürlich schloss sie als als Jahrgangsbeste ab. Und anders als viele andere Kollegen kann sie über einen Mangel an geeigneten Mitarbeitern nicht klagen. Das liegt zum einen daran, dass sie selbst Fachkräfte ausbildet, zum anderen an umsichtigem und kreativen Personalmanagement: „Unser Team besteht aus 6 Voll- bzw. Teilzeitkräften, 2 Azubis und je nach Saison 10-15 Minijobbern, die zum Teil schon Jahre bei uns sind“, erklärt sie. „Bei Engpässen fragen wir zunächst unsere Aushilfskräfte an. Und wenn wirklich mal Azubis oder Festangestellte einspringen müssen, berechnen wir einen Zeitzuschlag von 50 Prozent. Mit diesem System sind alle ausgesprochen zufrieden.“

Annik Rauh ist eine der Vorbild-Unternehmerinnen der Initiative „FRAUEN unternehmen“ des Bundeswirtschaftsministeriums. Das sieht sie nicht nur als Auszeichnung, sondern als Aufgabe. Sie will junge Frauen ermutigen, sich selbstständig zu machen: „Mädchen machen im Schnitt das bessere Abi, sie bringen bessere Leistungen im Studium, aber dann? Ein ganz entscheidender Punkt ist das Selbstvertrauen. Das können sie natürlich besser entwickeln, wenn sie erfolgreiche Gründerinnen und Unternehmerinnen sehen, sie weibliche Vorbilder haben können.“ Sie stellt klar, dass erfolgreiche Gründerinnen vielfach auch in der Partnerschaft selbstbewusst auftreten dürfen: „Männer finden nämlich die Selbständigkeit von Frauen oft nur genau so lange gut, wie sie ihnen in den Kram passt. Wenn die Frau dann aber regelmäßig bis spät in den Abend arbeiten will oder auch mal am Wochenende los muss, lassen bei vielen Verständnis und Unterstützung nach.“ Ein Problem, das Annik Rauh nicht hat: Ehemann Dirk arbeitet nicht nur in der Führung des Unternehmens mit. Gemeinsam beraten die beiden als „Gastro Angels“ [Link auf gastro-angels.de] junge wie etablierte Unternehmer in ihrer Branche.