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Macher und Märkte
* ein Podcast der IHK Potsdam

Crowdfunding im Tourimus

Aus kreativen Ideen touristische Erlebnisse machen: Mit diesem Ziel hat der Tourismusverband „Der Fläming“ im Jahr 2017 die „Flämingschmiede“ ins Leben gerufen. Die erste Siegerin des Crowdfunding-Wettbewerbs heißt Gabriele Hiller. Im Interview beschreibt die Künstlerin aus Wildenbruch das ungewöhnliche Konzept ihres Ateliers – und erzählt, wie es nach der Preisverleihung weiterging.

© Gabriele Hiller

Frau Hiller, Sie haben hier aber einen tollen Tisch.

Ja, auf den sprechen mich fast alle an, die hier mit mir zusammensitzen. Das ist eine Scheibe einer uralten Brandenburger Eiche, die ich selbst geschliffen habe. Solche Dinge sind es, die mich aus Berlin aufs Land gelockt haben. Ich wollte wieder mehr zur Natur, zu unserem Ursprung, und wahrnehmen, von wie viel Schönheit wir umgeben sind.

© Gabriele Hiller

Deshalb haben Sie vor einigen Jahren auch ihren Job bei einer Versicherung gekündigt und „ArtFiness“ gegründet. Was ist das Konzept Ihres Ateliers?

Seit 2013 vermiete ich meine Kunst an Firmen in Berlin und Brandenburg. Ich kümmere mich darum, dass es in den Räumen schön aussieht, dass sich die jeweils gewünschte Wirkung entfaltet und dass sich Menschen, die darin arbeiten, einfach wohlfühlen. Aus dieser Arbeit hat es sich ergeben, dass ich angefangen habe, Team-Paintings anzubieten.

 

Team-Paintings?

Ich ergänze teambildende Maßnahmen der Firmen – wie zum Beispiel Workshops–, indem ich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen anleite, gemeinsam Kunst zu erschaffen. Daraus hat sich dann die Idee entwickelt, dass es doch wunderbar wäre, diese Team-Paintings nicht in den Räumlichkeiten der Firmen, in Hotels oder Restaurants umzusetzen, sondern die Menschen hierher in mein Atelier zu holen. Das liegt mitten in einem Obstgarten und ist der ideale Ort, um zwei Gänge runterzuschalten und mit mir gemeinsam einen kreativen Prozess zu erleben. Doch um auch größere Teams bei mir zu empfangen, war die Voraussetzung und Herausforderung, mein Atelier zu erweitern und aus einem alten Nebengelass einen modernen Seminarraum zu machen.

© Gabriele Hiller

Und eben diese Idee – den Ausbau ihres Ateliers für Teamevents – haben Sie beim Crowdfunding-Wettbewerb „Flämingschmiede“ eingereicht?

Genau. Schon als wir 2012 aus Berlin aufs Land zogen, habe ich geschaut, wie ich mich vernetzen kann. Ich bin dem Unternehmernetzwerk Michendorf beigetreten und habe den Geschäftsführer des hiesigen Tourismusverbands „Der Fläming“ kennengelernt. Über ihn habe ich von der Flämingschmiede erfahren und sofort Lust gehabt, mitzumachen. Dass ich dann wirklich gewonnen habe, hat mich riesig gefreut – es war aber auch harte Arbeit.

 

Wie lief der Wettbewerb ab?

Insgesamt haben 14 Tourismusprojekte aus dem Fläming mitgemacht.  Im ersten Schritt hatten wir dann in mehreren Workshops die Möglichkeit, unsere Konzepte weiter zu verfeinern und zu trainieren, wie wir anderen Menschen wirkungsvoll näherbringen. Erst dann haben wir unsere Projekte auf der Crowdfunding-Plattform „Startnext“ präsentiert. Über den gesamten Zeitraum habe ich viel „rumgewirbelt“,  mit vielen Menschen gesprochen und dafür geworben, meine Idee zu unterstützen. Das war kein Selbstläufer.

© Gabriele Hiller

Und es hat funktioniert – Sie hatten die meisten Unterstützer und am Ende die Nase vorn.Was hat Ihnen Ihr Sieg im Rückblick gebracht?

Zum einen hat schon die Teilnahme an der Flämingschmiede total viel Spaß gemacht –  etwas gemeinsam zu rocken war für mich, die ja sonst eher eine Einzelkämpferin ist, eine tolle Abwechslung. Zum anderen habe ich natürlich dadurch die nötigen finanziellen Mittel für den Um- und Ausbau meiner Atelierräume bekommen. Gerade vor einigen Wochen ist alles fertig geworden –  ich konnte schon die ersten Team-Paintings in meinem neuen Seminarraum anbieten. Der Wettbewerb wirkt aber darüber hinaus nach: Ich bin in der Region sehr viel sichtbarer geworden. Außerdem hat sich ein Kreativ-Stammtisch der Teilnehmer daraus ergeben. Wir treffen uns regelmäßig und besprechen unsere Projekte, geben uns Tipps und unterstützen uns gegenseitig.

© Gabriele Hiller

Die Flämingschmiede ist der erste Wettbewerb seiner Art. Insgesamt gibt es in Deutschland bisher nur wenige Crowdfunding-Kampagnen im Tourismus.

Ja, und das ist schade. Denn es gibt so viele kleine Projekte, die es allein überhaupt nicht schaffen können. Werbung und Marketing kosten schließlich eine Menge Geld. Durch Initiativen wie die Flämingschmiede erfahren die Tourismusverbände und andere Stellen, die sie auf ihrem Weg begleiten können,  von solchen versteckten Schätzen. Ich finde, es ist ein toller Ansatz, die Menschen, aufzufordern, über ihre Projekte zu sprechen und damit finanzielle Unterstützung zu generieren. Denn daraus entstehen am Ende auch Kooperationsmöglichkeiten und Symbiosen. Man vernetzt sich und entwickelt zusammen Ideen, die eigenen Projekte und die Region insgesamt voranzubringen.

 

Was sind Ihre Pläne? Haben Sie für sich selbst, für Ihr Atelier, eine Vision?

Die Flämingschmiede und der Umbau meiner Räume waren nur die ersten Schritte für mich. Die Vision kommt jetzt: Ich will meine Idee bekannt machen, sie mit Leben füllen und möglichst viele Menschen dazu motivieren, mit mir Kunst zu erschaffen, Spaß zu haben – und vielleicht ein Stück mehr zu sich zu kommen.