Mach uns zu deinem Heimathafen.

Docke an einen attraktiven Wirtschaftsstandort mit unbegrenzten Möglichkeiten an.

Macher und Märkte
* ein Podcast der IHK Potsdam

Smarter sichern

Oft sind die einfachsten Ideen auch die besten. Das vollautomatische Fahrradschloss des Brandenburger Jungunternehmens „haveltec“ soll Radlern Zeit sparen – und Dieben keine Chance lassen.

CEO Christian Anuth

Alles begann damit, dass Christian Anuth genervt war. Genervt vom ständigen An- und Abschließen seines Fahrrads. „Als Student ist man immer unterwegs: Man fährt zwischen den Vorlesungen in die Mensa oder in die Cafeteria, dann vielleicht zurück ins Wohnheim, schnell was einkaufen und wieder zur Hochschule. Oft schließt man sein Rad nur an, um sich kurz ein Brötchen zu holen. Im Winter heißt das dann: Handschuhe aus, Schlüssel aus der Tasche fummeln, Schloss aus dem Rucksack holen, abschließen, Handschuhe an.“ Der Mechatroniker, der damals noch an der Technischen Hochschule in Brandenburg Technologie- und Innovationsmanagement studierte, war überzeugt: „Für Autos und selbst für Häuser gab es schon selbstschließende Systeme. Es musste doch möglich sein, auch für dieses Problem eine automatisierte Lösung zu finden.“

„Das Interesse hat uns überwältigt“

Gesagt, getan. Anuth und zwei Kommilitonen erarbeiteten für eine Vorlesung einen Business-Plan, in dem sie ihre Idee eines selbstschließenden Fahrradschlosses skizzieren. „Darauf bekamen wir eine gute Note und für mich war es damit eigentlich erst einmal erledigt“, erinnert sich der heute 34-Jährige. Doch dann rief die Hochschule einen Innovationswettbewerb aus. „Mein Freund Markus Weintraut schlug vor, unsere Idee dort einzureichen“. Das Fahrradschloss, von dem zu diesem Zeitpunkt nur ein aus Styropor geschnittener Prototyp existiert, belegt den dritten Platz. „Wir haben uns gefreut. Richtig überwältigt waren wir dann aber bei der Preisverleihung von dem Interesse der Leute. Da haben wir uns gesagt: Das müssen wir unbedingt machen.“

CEO Markus Weintraut

Das war 2013. Zwei Jahre später gründeten Christian Anuth und Markus Weintraut die „haveltec GmbH“, ihre Erfindung nennen sie „I LOCK IT“. Im Sommer 2017 konnten die Jungunternehmer die ersten Schlösser an ihre Kunden ausliefern. Zwischen damals und heute liegt viel harte Arbeit; immer wieder fragen sich die Erfinder, ob es sich lohnt, den Weg weiterzugehen. „Zwischendurch mussten Markus und ich von Hartz IV leben. Aber das war es wert. Wir dürfen jetzt etwas machen, das uns echt am Herzen liegt“, sagt der Vater eines kleinen Sohnes. Geklappt hat es schließlich auch dank eines Gründerstipendiums, einer erfolgreichen Crowdfundingkampagne und der finanziellen Unterstützung durch die Wirthwein AG.

Wie funktioniert’s?

Das Prinzip von „I LOCK IT“: Das Rahmenschloss verbindet sich via Bluetooth mit dem Smartphone und verschließt sich vollautomatisch, sobald sich der rechtmäßige Besitzer ein paar Schritte von seinem Rad entfernt. Sobald er sich wieder nähert, öffnet es sich wieder – das lästige Kramen nach dem Schlüssel entfällt. Wer sein Handy nicht immer dabei haben möchte, kann das Schloss auch über einen Handsender öffnen, der ebenfalls in der Tasche bleiben kann. Versucht ein Unberechtigter, das Rad wegzutragen oder aufzubrechen, ertönt ein lauter Alarm. Ein Zusatzplus: Bis zu acht Handys können sich bei einem Schloss anmelden. „So können mehrere Leute auf mein Schloss zugreifen. Zudem kann ich selbst mit meinem Handy bis zu fünf verschiedene Schlösser nutzen. So kann man im Prinzip die ganze Familie ausstatten und hat immer alle Schlüssel dabei.“

 

Anbringen kann man „I LOCK IT“ an jedem Fahrradrahmen, entweder an bereits vorhandene Haltevorrichtungen oder mit Zusatzhalterungen. Und wer sein Fahrrad lieber an einem festen Gegenstand anschließt, nimmt die optionale Einsteckkette zu Hilfe.

 

Bei der Produktion setzt der „Urbrandenburger“ auf Regionalität. „Wir haben uns bewusst für die lokale Fertigung entschieden. Das hat uns dank der kurzen Wege gerade am Anfang ermöglicht, schnell zu agieren.“ Die smarten Schlösser werden in einer örtlichen Werkstatt für behinderte Menschen zusammengebaut, die Gehäuseteile bezieht die haveltec GmbH von dem Familienunternehmen Wirthwein AG am Standort Brandenburg an der Havel , die Elektronik kommt aus Magdeburg.

„Bisher haben wir nur den halben Weg geschafft“

Mittlerweile haben Christian Anuth und Markus Weintraut ein 15-köpfiges Team aufgebaut. Für die haveltec GmbH arbeiten Entwickler, Marketing- und Vertriebsexperten sowie ein technischer Kundensupport. Über neue Mitstreiter würde sich Christian Anuth freuen. „Ob und was jemand studiert hat, ist uns eigentlich egal. Uns ist vor allem wichtig, dass sich unsere Mitarbeiter mit unserem Produkt identifizieren.“

 

Die Liebe zum Fahrrad verbindet sie – trotzdem haben die jungen Gründer auch Lust, neue Branchen zu erobern: „Unsere Vision ist es, mit unseren Produkten auch andere wertvolle Dinge zu schützen“, so Anuth. Der nächste Meilenstein sei aber der Ausbau des Vertriebs von „I LOCK IT“ sowie der Aufbau der Marke selbst „Bisher haben wir nur den halben Weg geschafft – jetzt kommt die andere Hälfte.“