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Macher und Märkte
* ein Podcast der IHK Potsdam

Das Geschäft mit dem Geschäft

Die Firma des Vaters verkaufen oder übernehmen? Diese Frage stellten sich Sabine Meyer-Sow und Katharina Meyer vor zwei Jahren. Inzwischen führen sie „Pipi-Meyer“ mit Erfolg. 

Pipi-Meyer: Der Name ist Programm. Da weiß jeder, was wir machen“, sagt Sabine Meyer-Sow und lacht. Das Unternehmen aus Neuruppin fährt Fäkalien ab und vermietet Toilettenhäuschen und -wagen für Familienfeiern oder große Veranstaltungen. Und das Geschäft mit dem Geschäft läuft. Kommen manchmal auch dumme Sprüche wegen des Firmennamens? „Im Gegenteil“, sagt Katharina Meyer und erzählt folgende Geschichte. „Als ich vor einigen Tagen mit einem Toilettenwagen an einer Ampel in Potsdam stand, haben die Leute gelacht, als sie ‚Pipi Meyer‘ gelesen haben“. Zusammen mit ihrer ein Jahr älteren Schwester Sabine führt die 37-Jährige seit dem 1. November 2017 den Betrieb, den ihr Vater aufgebaut hat.

Katharina Meyer und Sabine Meyer-Sow vor ihrer „Pipibox“

Dieter Meyer war gelernter Maurer und hatte 1993 die Idee, sich mit der Entsorgung von Schmutz- und Abwässern selbstständig zu machen. Mit einem LKW, einem Kunden und einem Büro im Schlafzimmer hat er damals angefangen. Und jeder in der Familie musste mit anpacken. Die drei Töchter - die ältestearbeitet heute im Finanzamt - gestalteten Werbezettel mit dem Slogan „Meyer machts möglich“, kopierten und verteilten sie in den umliegenden Dörfern. „Papa gab uns auch schulfrei, wenn der LKW im Winter im Schnee steckenblieb. Mit Schaufeln mussten wir ihn dann freischippen“, erinnert sich Sabine Meyer-Sow. 2017 wurde Dieter Meyer schwerkrank und starb im September 2018. 

Seine Töchter mussten sich nun entscheiden, und zwar schnell: Entweder die Firma verkaufen oder übernehmen. Katharina Meyer, die eine Ausbildung zur Elektrikerin abgeschlossen hat, arbeitete schon seit vielen Jahren im väterlichen Betrieb. Ihre Schwester Sabine war nach dem Abitur weggezogen und hatte in Nordrhein-Westfalen Grafikdesign und Fotografie studiert. 2013 kam sie zunächst zurück, weil ihr Vater seine Nachfolge regeln wollte. „Aber es hat nicht funktioniert. Papa konnte nicht loslassen“, sagt Sabine Meyer-Sow. Nach knapp einem Jahr war sie wieder weg. Und wusste, dass sie das Lebenswerk ihres Vaters nur gemeinsam mit ihrer Schwester Katharina fortsetzen wollte. „Als ich dann am 1. November 2017 hier im Büro saß, war das schon sehr bedeutend für mich“, erzählt Sabine Meyer-Sow. „Ich war plötzlich für andere Familien verantwortlich, die sich auf mich verlassen müssen.“

Die Aufgaben sind klar aufgeteilt, Sabine Meyer-Sow übernimmt die Büroarbeit

Mittlerweile hat der Betrieb 14 Mitarbeiter. In den Sommermonaten, wenn viele Veranstaltungen stattfinden, werden zusätzliche Kräfte eingestellt. Allerdings ist es nicht leicht, Personal zu finden. „Manche wollen solch einen Job nicht machen, anderen ist der Lohn zu gering“, sagt die 38-Jährige. 

Der Wechsel im Chefsessel war auch mit einem Wechsel in der Unternehmenskultur verbunden: mit mehr Struktur, Planung und Teambuilding. Jeden Morgen treffen sich die Mitarbeiter, trinken Kaffee und besprechen die Aufgaben der nächsten Tage. „Während „Papa morgens ankam und sagte: ‚Das wird gemacht. Und das‘, erzählt Sabine Meyer-Sow. Ein persönliches Verhältnis zu den Beschäftigten ist den beiden Inhaberinnen wichtig. Und sie legen großen Wert auf Sauberkeit. Deshalb ist immer eine Reinigungskraft vor Ort, und wer das mobile Klo benutzen will, muss dafür auch Geld bezahlen.  

Für ein sauberes Klo muss auch bezahlt werden

Die beiden Schwestern sind sehr verschieden, aber ein gutes Team. „Wir können uns aufeinander verlassen und auf die Unterstützung unserer Familien zählen. Ansonsten wäre der Job nicht möglich“, sagt Katharina Meyer. Sie ist burschikos, zupackend und viel unterwegs. Auf Festivals, Märkten oder der Hanse Sail in Rostock stellt sie die grünen Toilettenhäuschen oder die weißen Toilettenwagen auf. Mit dem leuchtend roten Schriftzug „Pipi-Meyer“. Einen Transporter mit 18 Meter langem Anhänger rangieren, rückwärtsfahren, einparken, Anschlüsse zur Abwasserentsorgung legen - für sie kein Problem. 

Katharina Meyer ist viel unterwegs

„Büroarbeit mag ich dagegen gar nicht“, sagt die 37-Jährige. Das übernimmt ihre ältere Schwester Sabine. Hin und wieder sitzt auch sie hinter dem Lenkrad eines LKW, um etwa die Toilettenhäuschen an der A 10 sauber zu machen, sie zu leeren und Toilettenpapier nachzufüllen. Allerdings gehen nicht alle Benutzer sorgsam damit um. Manche nutzen sie als Müllhalde, andere zerstören sie mutwillig und wieder andere lassen sie völlig verdreckt zurück. Selbst wertloses Diebesgut, Unterwäsche oder eine Pistole landeten schon im Klo.   

Überreste einer Veranstaltung

Natürlich kennen die beiden Unternehmerinnen auch Tage, an denen sie fast verzweifeln, weil ein Transporter kaputt ist und ein Fahrer krank. „Aber man darf den Kopf nicht in den Sand stecken. Es gibt immer eine Lösung“, sagt Sabine Meyer-Sow. Ihr Vater wäre heute stolz auf sie. In den vergangenen zwei Jahren haben seine Töchter zwei weitere Mitarbeiter eingestellt, zwei neue LKW gekauft und den Umsatz um 20 Prozent gesteigert.