Mach weiter.

Knüpfe an den Erfolg deiner Vorgänger an und sei die neue Generation in Brandenburger Unternehmen.

Macher und Märkte
* ein Podcast der IHK Potsdam

Alles außer Bargeld

Gesunde und leckere Verpflegung auch in Unternehmen ohne Kantine — das ist die Idee des StartUps „How I like“ (wie ich es mag). Von Oranienburg aus wollen die Gründer einen neuen Markt schaffen und bedienen.

Den Herbst 2016 hat der ehemalige Chef von Martin Michenfelder und Sven Forgber vermutlich bis heute nicht vergessen. An einem Tag erhielt er die Kündigungen von zwei wichtigen Führungskräften — der eine leitete die Filiale eines großen Modeunternehmens am Berliner Ku’damm, der andere jene am Hackeschen Markt. Die beiden jungen Männer waren nicht wirklich unglücklich mit ihrer Arbeit. Aber sie hatten eine Vision, die sie gemeinsam Realität werden lassen wollten.

Tag für Tag hatten sie eine Erfahrung gemacht: „Für unsere Mitarbeiter und uns selbst war es nahezu unmöglich, sich tagsüber gut und mit Genuss zu verpflegen“, erklärt Michenfelder. „Das hatte zum einen mit der knappen Zeit und zum anderen mit fehlenden Einkausfmöglichkeiten in der Nachbarschaft zu tun.“ Michenfelder und Forgber war klar, dass ihre Situation kein Einzelfall war, sondern eher die Regel. Ihre Lösungsidee: der intelligente Kühlschrank.

Diesen zur Serienreife zu entwickeln war der erste Schritt in der Geschichte des Unternehmens „My Minute Meal,“ das die beide Jungunternehmer unmittelbar nach ihrem Ausscheiden aus der Modebranche gründeten. Handelsübliche Getränkekühlschränke wurden mit viel ausgeklügelter Elektronik zur kleinsten Kantine der Welt aufgerüstet. Auf den ersten Blick sehen die Geräte mit dem Schriftzug „How I Like“ aus wie moderne Snackautomaten. Doch sie haben weit mehr zu bieten: Der hungrige Mensch authentifiziert sich über Kundenkarte, Smartphone oder Smartwatch und entriegelt so die Kühlschranktür. Nun kann er seine Auswahl treffen und Lebensmittel entnehmen. Sensoren erfassen, was der jeweilige Kunde entnimmt, der fällige Geldbetrag wird per Lastschrift oder Online-Bezahldienst wochenweise eingezogen. Nicht registrierte Kunden können all dies mit ihrer Kreditkarte tun. „Wir haben im Grunde alle Zahlungsarten in unser System implementiert … alle außer Bargeld“, grinst Sven Forgber.

Nicht nur im Hinblick auf den Bezahlprozess ist „My Minute Meal“ auf der Höhe der Zeit. Das Warenangebot umfasst vollwertige und innovative Speisen und Getränke – es reicht von Snacks für Zwischendurch über ganze Mahlzeiten bis hin zu Powerdrinks für das nachmittägliche Leistungstief. „Wir haben derzeit etwa 120 coole Produkte im Angebot, aus denen wir unseren Kunden ein individuelles Warenangebot zusammenstellen“, erklärt Martin Michenfelder. Die Frage, was sich wo wie gut verkauft, kann das Gründerduo jederzeit und überall beantworten. Jeder „How I like“-Schrank ist permanent im Netz, alle Warenbestände können in Echtzeit eingesehen werden. „So sehen wir nicht nur, wann wir was nachliefern müssen, wir können mit den gewonnenen Daten auch gemeinsam mit unseren Kunden die Produktpalette optimieren oder je nach Jahreszeit anpassen.

Im Edeka Food Tech Campus, einem StartUp-Hub im Herzen Berlins, betreiben die beiden Gründer nicht nur einen ihrer smarten Schränke, sondern stehen auch im ständigen Kontakt mit jungen und kreativen Unternehmen der Lebensmittelbranche. Doch die Heimat für ihr Unternehmen haben Michenfelder und Forgber vor den Toren der Metropole gefunden, genauer gesagt in Oranienburg (Kreis Oberhavel). „Hier haben wir eine wirklich tolle Infrastruktur für Gründer und super Räumlichkeiten für unser Unternehmen gefunden,“ sagt Forgber.

So macht sich das Duo in Brandenburg daran, die gemeinsame Vision zu verwirklichen. „Bisher stehen unsere Geräte vor allem im Großraum Berlin, erläutert Martin Michenfelder, „mittelfristig wollen wir unsere Tätigkeit natürlich auf ganz Deutschland ausweiten.“ Und Sven Forber ergänzt: „Ein zukunftsträchtiges Feld sehen wir im Gastgewerbe. Viele Hotels bieten heutzutage wenig bis gar keine Gastronomie mehr an. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ein hungriger Geschäftsreisender dann auf Erdnüsschen aus der Minibar oder Junkfood aus der nächsten Tankstelle angewiesen ist. Ein smarter Kühlschrank voller gesunder und leckerer Dinge wäre da doch um Welten attraktiver.“