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Macher und Märkte
* ein Podcast der IHK Potsdam

Flüssige Tradition im Havelland

Thomas Köhler ist sich sicher: „Bier braucht eine Heimat.“ Und auch umgekehrt wird ein Schuh draus: Die Heimat braucht Bier. Für das Havelland stellt beides seit 15 Jahren die Braumanufaktur sicher.

2003 nahm der Diplom-Brauingenieur Köhler gemeinsam mit seinem Freund und Geschäftspartner Jörg Kirchhoff die Produktion im Forsthaus Templin, malerisch gelegen am Seeufer zwischen Potsdam und Caputh, auf. Das war schon zu Kaisers Zeiten ein beliebtes Ausflugslokal, in dem im Laufe der Zeiten so manches Bier getrunken wurde. Aber erst die beiden (damaligen) Jungunternehmer machten das Wirtshaus zum Brauerei-Gasthaus.

„Den Begriff Craft-Beer gab es damals noch nicht, aber natürlich machen wir hier ein ehrliches handwerkliches Produkt. Und wir haben von Anfang an ausschließlich auf Zutaten aus der Region gesetzt, ab 2006 dann sogar in Bioqualität“, erklärt Köhler. Und die Bier-Heimatpfleger von der Braumanufaktur erweckten traditionelle regionale Biersorten zu neuem Leben: Ein Renner im Sortiment ist die „Potsdamer Stange“, ein erfrischend-spritziges helles Bier aus Gersten- und Weizenmalz. Und am „Werderschen“ hätte der in der Mark Brandenburg weltberühmte Theodor Fontane seine helle … nein … bernsteinfarbene Freude gehabt — widmete er dieser rund-malzigen Spezialität doch sogar eine kleine Ode, nachzulesen im dritten Band seiner „Wanderungen“.

Wir treffen Brauingenieur Köhler, „sag einfach Thomas“, an einem Brautag. Der große Gastraum ist erfüllt vom herzhaften Braugeruch. In der großen kupfernen Braupfanne dampft die Würze vor sich hin. „Das ist im Grunde eine Malzsuppe“, erklärt Thomas, „die Stärke aus dem Getreidemalz ist unter anderem in Malzzucker umgewandelt worden. Diesen kann dann die Hefe in Alkohol umwandeln. Erst wenn die Gärung beginnt, heißt die Sache dann ‚Bier‘“. Für ihre segensreiche Tätigkeit braucht die Hefe niedrige Temperaturen. Und die findet sie im Keller unter dem Forsthaus. In großen Edelstahltanks – Hygiene ist bei einem sensiblen Lebensmittel wie dem Bier oberstes Gebot – gärt und reift das Bier, bis es in Fass oder Flasche abgefüllt werden kann.

Aus einem dieser Tanks nimmt zapft Thomas eine Probe, hält diese prüfend gegen das helle Licht und nimmt einen fachmännischen Probeschluck. Das Getränk sieht schon aus wie ein Bier und der Brauer wie ein zufriedener Mann. „Das kann man schon trinken, aber wir geben ihm noch ein bisschen Zeit.“ Mit der Reifezeit ist man bei der Braumanufaktur überhaupt großzügig. Je nach Sorte reifen die Biere vor der Abfüllung vier bis acht Wochen. In der Industrie sind nur 14 Tage üblich.

Die Potsdamer Stange und das Werdersche sind nicht die einzigen Biere im Sortiment. Das ganze Jahr über sind Helles und Dunkles, Weizenbier und die Potsdamer Weiße, die aus lebensmittelrechtlichen Gründen nicht Berliner Weiße heißen darf, im Angebot. Zudem gibt es eine Anzahl von saisonalen Spezialitäten, vom Märzen und Maibock bis hin zum weihnachtlichen Starkbier mit dem klingenden Namen „Nikolator“. Und in einer ganz besonderen „Außenstelle“, der historischen Brauerei im Erlebnispark Paaren, entsteht ein ganz besonderes Bier: das mit einer historischen Gerstensorte gebraute „Imperial 1834“.

Ein solches Braupensum ist natürlich nicht mit zwei Mann zu schaffen. In Gastronomie und Brauerei sind je nach Saison 30 bis 40 Männer und Frauen beschäftigt, darunter stets drei Lehrlinge. „Wir können in jedem Lehrjahr einen jungen Mann oder eine junge Frau ausbilden“, erklärt Thomas, „es gibt immer mehrere Bewerber auf die jeweilige Stelle.“ Die Lehrlinge erhalten eine fundierte Ausbildung, in der sie weitaus intensiver mit Rohstoffen und Produkten zu tun haben als in einem industriellen Großbetrieb. Und sie lernen nicht nur, wie man im Havelland braut: Die Braumanufaktur schickt alle Lehrlinge für einige Wochen in die Brauerei Fuglsang – Dänemarks älteste in Familienbesitz befindliche Brauerei in Haderslev im Süden Jütlands.

Für Bierfreunde, die sich keine drei Jahre Zeit nehmen können, gibt es in der Braumanufaktur regelmäßig dreitägige Seminare. Umfassende Infos über diese Seminare wie auch über alles rund um das Unternehmen gibt es im Netz unter www.braumanufaktur.de. Und falls Sie herausfinden wollen, wie die Biere aus der Braumanufaktur schmecken: Die gibt es in Bioläden und Fachgeschäften in Berlin und Brandenburg zu kaufen. Oder sie machen einen Ausflug ins Forsthaus Templin. Es lohnt sich.